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Informationen zur bipolar affektiven Erkrankung


Manie Depression - Häufigkeit Verlauf

"Die Welt ist ein Vampir...."

(Smashing Pumpkins)

Grundursache ist bei der bipolaren Störung mehr noch als bei der Depression die Veranlagung, also die vererbten Gene und die früheste Entwicklung. In der Kindheit wird das Gehirn/die Psyche durch die ersten Erfahrungen geprägt. Bei ungünstigen Bedingungen mit häufig auftretenden Poblemen sensibilisieren diese im ungünstigen Fall die seelischen Funktionen in starkem Mass. Wenn im späteren Leben dann schwere Belastungen auftreten, kann ein Krankheitsprozess ins Rollen gebracht werden, der - wie ein Schneeball bergab - immer grösser wird. Je früher Behandlung und Entlastung erfolgen, desto eher kann ein unkontrolliertes Eigenleben der Krankheit mit der Gefahr chronischer Symptome verhindert werden.

Der dornige Weg zur Therapie

Oft sind es Familie und Freunde, die als erste am Betroffenen Veränderungen wahrnehmen und ihm raten, sich untersuchen oder behandeln zu lassen. In der Regel dauert es auch bei schweren Depressionen lange, oft bis zu einem halben Jahr, bis dann energische Schritte in Richtung Therapie erfolgen. Angst vor der Psychiatrie, vor dem Stigma des psychisch Kranken am Arbeitsplatz zögern diesen Zeitpunkt hinaus. Bei der Bipolaren Störung werden 50% der Patienten mehr als 5 Jahre nicht korrekt behandelt, 36% mehr als 10 Jahre. Es vergehen im Durchschnitt 8 Jahre bis zur richtigen Diagnose.

Durch die Verzögerung ist der Beginn der Behandlung oft schmerzhaft. Erste Station ist dann die Polizei, etwa nach strafbaren Handlungen in der Manie, oder die Intensivstation nach einem verzweifelten Selbstmordversuch. Und dennoch, nach der akuten Phase, wenn Ruhe eingekehrt ist, versandet die Therapie wieder.

Arzt und Patient

Den richtigen Arzt zu finden ist genauso schwierig wie eine Partnerwahl. Man muss dem Arzt vertrauen können und er muss kompetent sein. Als Patient sollte man den Arzt gründlich testen, was er weiss über die Erkrankung und wie er es erklärt. Die Behandlung soll ein Geschäft sein, bei dem der Patient Profit macht. Er lässt sich behandeln, nimmt Medikamente, erträgt Nebenwirkungen und will dafür Gesundheit und Lebensqualität bekommen. Um Kosten und Nutzen richtig abschätzen zu können, muss der Patient wissen, wie die Krankheit ohne Therapie verlaufen würde. Denn oft vergehen die Symptome nicht vollständig und auch die Rückfälle bleiben nicht ganz aus. Hier hilft es, wenn der Patient Buch führt über seine Krankheit wie über Aktien an der Börse und so sieht, ob die Werte mit der Therapie steigen oder fallen. Der Arzt ist sein Börsenberater, der ihm alle Tricks verrät und ihn warnt vor unvorsichtigen Handlungen.

Um zu wissen, wie gut der Arzt ist, kann man sich Aufklärung über die Erkrankung holen durch Bücher und über das Internet. Hier nur einige Stichworte.

Bipolare Störung

Viele Patienten wollen keine Medikamente nehmen, weil sie sich dann nicht mehr frei fühlen oder weil sie die Krankheit nicht wahrhaben wollen. Andere leiden unter Nebenwirkungen.

Unabhängig von der jeweiligen Episode mit Hoch oder Tief sind die Stimmungsstabilisierenden Substanzen im Vordergrund der Therapie. "Was dich gesund macht, hält dich gesund". Sie sollen nicht nur akute Beschwerden behandeln, sondern auch weiteren Episoden vorbeugen. Lithium in der Pschiatrie gibt es schon über 50 Jahre. Wegen seiner guten Wirksamkeit ist es immer noch unverzichtbar. Allerdings wurden aufgrund der oft deutlichen Nebenwirkungen von Lithium in den letzten Jahren zunehmend aternative Medikamente entwickelt. Meist kamen sie aus der Epilepsiebehandlung, aber auch moderne Neuroleptika und sogar Nahrungsmittel wie Lachsöl werden mit Erfolg erprobt. Wichtig ist, bei auftretenden Nebenwirkungen oder Wirkungslosigkeit eine Alternative zu haben. Denn die Zeitdauer einer Behandlung nach mehreren Episoden ist immer langfristig, wenn nicht unbegrenzt. Der Nutzen einer Langzeitbehandlung ist dem Patienten nicht immer ersichtlich. Es empfiehlt sich, die Stimmungschwankungen vorher und nachher genau aufzuschreiben, damit man den Nutzen der Einnahme feststellen kann. Im Idealfall hören die Episoden auf, meist jedoch werden sie nur weniger, kürzer und schwächer.

Auf alle Fälle muss sich jemand mit einer Biplaren Störung auf eine lange Zusammenarbeit mit einem Arzt einstellen. Er sollte sich einen guten Partner wählen und sich nicht vom Glauben an die eigene Kraft verleiten lassen, medikamente und Untertsützung abzulehnen.

Stationäre Behandlung

Wann muss es stationär sein?

Depression: Wenn der Patient zu Hause zu keiner Tätigkeit mehr in der Lage ist, wenn er durch seine Krankheit völlig isoliert ist, wenn die Angehörigen die Belastung durch die Krankheit nicht mehr ertragen, wenn der Patient körperliche Pflege braucht und wenn er selbstmordgefährdet ist.

Manie: Wenn der Patient sich durch sein auffälliges Verhalten öffentlich blossstellt, wenn er aggressiv wird, wenn er unkontrollierte Handlungen begeht - Alkohol, unrealistische Geschäfte, riskantes Autofahren - das heisst: immer bevor etwas Schlimmes passiert!

Je früher und geordneter so ein stationärer Aufenthalt geplant wird, desto schonender und besser ist das Ergebnis.

Rehabilitation, Soziale Hilfen

Bipolare Störung und Depressionen greifen tief ein in das soziale Leben der Betroffenen. Das kann verhindert oder aufgeschoben werden durch konsequente Therapie und Hilfestellungen. Dazu braucht der Betroffene sozialpädagogische Unterstützung in Beratungsstellen und Kliniken und Freunde mit ähnlichen Problemen, die im Mut machen wie in Selbsthilfegruppen. Auch die Familie und der Partner brauchen Unterstützung, Aufklärung und Motivation. Der Patient muss in eigener Sache werben. Besonders am Arbeitsplatz muss er lernen, seine Erkrankung zu vertreten, gegen das Stigma anzukämpfen und Anerkennung wie jede andere Körperliche Erkrankung - z.B. Hochdruck oder Diabetes - zu bekommen.

Arbeitsleben

Viele Menschen, die unter bipolaren Störungen leiden, verlieren früher oder später ihren Arbeitsplatz bzw. gehen im Durchschnitt zehn Jahre früher in Rente als nicht Betroffene. Dies ist umso bedauerlicher, als sich die meisten von ihnen zwischen den Erkrankungsphasen leistungsfähig fühlen - und es in der Regel auch sind. Anerkennung der persönlichen Leistungen, Verwirklichung von Wünschen und Vorstellungen durch Arbeit sind eine wichtige Quelle für das gesunde Selbstwertgefühls und Voraussetzung des Gefühls, ein sinnvolles Leben zu führen. Einige Betroffene bringen in schwächeren manischen Phasen Außerordentliches zustande - viele Kunstwerke oder ungewöhnliche Projekte sind so entstanden. Allerdings denkt er Arbeitgeber oft anders über das Auf und Ab in der Leistungsfähigkeit und so gehen Arbeitsplätze verloren, für die Kontinuität und Durchhaltevermögen notwendig sind. Dieser Verlust ist immer ein einschneidendes Ereignis und deprimiert die Betroffenen, was sich wiederum ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

In den vergangen 15 Jahren hat sich allerdings ein "Zweiter Arbeitsmarkt" etabliert, der betreute Arbeitsplätze anbietet und auch für Menschen zugänglich ist, die Brüche in ihrer Berufsbiografie aufweisen. In allen größeren und mittleren Städten gibt es so genannte Selbsthilfefirmen, die sich in der Regel gut auf dem Markt behaupten. Ein Teil der Arbeitsplätze wird von der Kommune oder dem Arbeitsamt bezuschusst und ist befristet, da sie die Integration in den ersten Arbeitsmarkt zum Ziel haben. Je nachdem, wieviel die Selbsthilfefirma erwirtschaften kann, werden auch feste, nur von der Einrichtung finanzierte Arbeitsplätze angeboten. Der Arbeitsalltag wird von sozialpädagogischen oder psychologischen Betreuer/innen begleitet, die helfen, Schwierigkeiten zu überwinden. Neben dem "Zweiten Arbeitsmarkt" wurden die "Zubrot-Firmen" aufgebaut, die Möglichkeiten bieten, sich etwas Geld zum Beispiel zur Rente hinzu zu verdienen. Zusätzlich gibt es Arbeitsassistenten; das sind Fachkräfte, die Betroffene an "normalen" Arbeitsplätzen betreuen und wenn nötig, auch mit Arbeitgebern verhandeln. Und nicht zuletzt finden wir die Berufsbildungswerke, die Vorbereitungskurse für bestimmte Berufe anbieten.

Falls Sie sich für einen solchen Arbeitsplatz oder einen Vorbereitungskurs interessieren, wenden Sie sich am besten an Ihr örtliches Arbeitsamt oder an einen Träger der freien Wohlfahrtspflege. Es gibt aber auch kleinere und unabhängige Vereine im psychiatrischen Umfeld, die solche beschützten Arbeitsplätze anbieten. In der Regel kennt sich der Sozialdienst der Klinik, in der Sie behandelt werden, auf diesem besonderen Arbeitsmarkt aus und kann Ihnen Adressen vermitteln.