Depressionen
Depressionen bemerkt man oft erst, wenn sie vorbei sind. Solange
alles dunkel ist, gibt man die Schuld der bösen Welt, die einen aussaugt.
Aber kaum ist das Wetter wieder gut, vergisst man zu fragen, warum man nicht
zum Arzt gegangen ist. Denn tatsächlich ist die Depression eine Krankheit
und sie ist behandelbar. Auch Manien bemerkt der Betroffene oft erst
danach, wenn seine Freunde ihn verlassen haben und der Arbeitsplatz weg ist.
Und wenn dann noch eine depressive Schwankung kommt, scheint es eine gerechte
Strafe. Wieder kein Gurnd zum Arzt zu gehen.
Jeder fünfte Erwachsene durchleidet einemal im Leben eine
Depression. Je nach Schwere, Anzahl der Symptome und Dauer nennt man sie
Depressive Episode, Dysthymie u.a.. Auch sogenannte unterschwellige Formen mit
nur wenigen Symtpomen können die Lebensqualität beienträchtigen
und sich im Lauf der Zeit verschlechtern.
An Stelle der alten Bezeichnung manisch-depressive Erkrankung ist der
Begriff Bipolare Störung getreten. Er gilt für alle
Betroffenen, die mindestens einmal in ihrem Leben eine Episode krankhaft
gesteigerter Stimmung erleben. Im weiteren Verlauf tritt dann irgendwann bei
fast allen auch einmal eine Depression auf. Die Häufigkeit dieser
bipolaren Störung in der Weltbevölkerung liegt bei etwa 1 %.,
leichtere Formen kommen um ein vielfaches häufiger vor.
Trotz der Schwere der Erkrankungen werden die Patienten nur in einem
Bruchteil der Fälle medizinisch korrekt behandelt. Depressionen
verursachen viel Leid und Beeinträchtigung in Sozialleben und Beruf. Sie
verlaufen bei mindestens 5 Prozent der Erkrankten sehr schwer und chronisch. 30
Prozent der Betroffenen leiden unter längerandauernden mässig starken
Symptomen, die intensiver Nachbetreuung bedürfen. In der Folge vereinsamen
die Betroffenen, verlieren ihre Arbeit und laut Untersuchungen begeht jeder
vierte schwer depressiv Kranke Selbstmord. Aus diesem Grund gehören Manie
und Depression zu den 3 Krankheiten, die weltweit das meiste Leid und auch die
meisten Kosten verursachen. Und das, obwohl durch Medikamente und
Psychotherapie fast allen Betroffenen deutlich geholfen werden kann, mehr als
die Hälfte sogar völlig beschwerdefrei werden.
Wenn also jemand 2 Wochen mehrere der folgenden Symptome einer
Depression an sich oder einem Angehörigen bemerkt, sollte er einen
Facharzt aufsuchen.
Symptome der Depression
- Andauernd traurige Stimmung, Freudlosigkeit
- Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit
- Unerklärliche Unruhe
- Abgeschlagenheit, bleierne Schwere
- Selbstvorwürfe, Gefühl von Wertlosigkeit
- Denk- und Konzentrationsstörungen
- Lebensüberdruss oder Selbstmordgedanken
Psychopharmaka und Psychotherapie
werden immer als Gegner gesehen. Eigentlich sollten sie Partner sein. Denn
beide helfen bei allen Arten von Depressionen jeweils in verschiedenen
Kombinationen. Die neueren Antidepressiva ("SSRIs" etc) sprechen ganz
gezielt Botenstoffe im Hirn an und vermeiden Nebenwirkungen. Die älteren
(Trizyklika und MAO-Hemmer) bieten eine solide Ergänzung, die immer noch
vielen Patienten hilft. Insgesamt wird die Palette der Möglichkeiten
ständig breiter und verlangt von Arzt und Patient spezielles Wissen, viel
Geduld und unermüdliches Ausprobieren im sogenannten Stufenplan, bis die
richtige Mischung gefunden ist. Auch die Psychotherapien haben sich
spezialisiert wie die Interpersonelle Therapie (IPT) und die Kognitive
Therapie, um schneller und effektiver Depressionen zu besseren und auch
vorzubeugen.
In schweren Fällen wird auch die Elektrokrampftherapie mit
Erfolg angewandt. In der Forschung befinden sich verschiedene Ansätze wie
Schilddrüsenhormone, Magnetstimulation oder Hausmittel wie
Lichttherapie und Schlafentzug.
Eines ist sicher: Es gibt niemals Grund zu
Hoffnungslosigkeit! Auch nach vielen Jahren schwerster Krankheit ist
noch volle Heilung möglich und es gibt niemand, dem nicht irgendwie
zumindest Linderung verschaftt werden kann. Auch daran sollte man denken: Jedes
Jahr kann die Wissenschaft eine neue erfolgreiche Behandlung für viele
bisher nicht genügend gebesserte Patienten finden.
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